Server-Systeme im Unterricht

Zusammenfassung

Die im letzten Schuljahr wegen fehlender Vertretung spontan entstandene Aufgabe, die Schü­ler zuhause einen öffentlich zugänglichen Server einrichten zu lassen (siehe Einleitung), konn­te als Außentermin erfolgreich in eine vollständige Lernsituation zum Thema Server-Systeme integriert werden.

Insgesamt wurde die Lernsitu­ation „Server zur Mitarbeiterschulung einrichten“ erfolgreich ge­plant und durchgeführt (siehe Kapitel 5). Die „Be­stimmungsgrößen“ (Riedl, Schelten, 2006:18) für eine Lernsituation nach dem didaktischen Konzept des handlungsorientierten Unterrichtes (siehe Kapitel 4) konnten erfolgreich umgesetzt werden:

Die Aufgabenstellung war berufsbe­zogen, komplex und problemhaltig, ermöglichte eine sehr enge Verzahnung von Theorie und Praxis und orientierte sich am Kreis der vollständigen Handlung. Die indi­viduell einzurichten­den Server-Systeme und Schulungsunterlagen ergaben hohe Freiheitsgrade für die Schüler im Arbeitsprozess und bei den Arbeitsprodukten, wodurch ein hohes Maß an innerer Differenzierung erreicht wurde. Die Lehrerrolle war eine beratend-unterstützende und förderte eine hohe Selbstständigkeit der Schüler.

Berufliche Handlungskompetenz und komplexe, authentische Lernsituationen sind laut KMK (2000:14) die vorrangigen Ziele beruflicher Bil­dung, insbesondere in den vollschulischen Bil­dungsgängen. Der außerschulische Lernort bereicherte die Lernsituation mit seinen neuen Möglichkeiten für die Einrichtung von Server-Systemen, so dass eine höhere berufliche Hand­lungskompetenz und eine ideale Vorbereitung auf die spätere berufliche Praxis er­reicht wer­den konnten. Die Schwierigkeiten, die einzelne Schüler mit der komplexen Arbeits­aufgabe und dem Gefühl, „auf sich allein gestellt zu sein“, hatten, belegen die Notwendig­keit für komplex und authentisch gestaltete Lernsituationen nicht erst am Ende des zweiten Ausbildungsjahres.

Die drei eingangs gestellten Leitfragen (siehe Einleitung) lassen sich alle positiv beantworten:

Die erste Leitfrage zu den Vor- und Nachteilen des außerschulischen Lernortes zeigt, dass die erweiterten Möglichkeiten den Wechsel des Lernortes im Sinne der Zielvor­ga­ben der KMK vollauf rechtfertigen. Wesentliche Vorteile sind die zusätzlichen technischen Pro­blemstellun­gen bei der Konfiguration der Internet-Zugänge, der hohe Grad der Individualisie­rung, die Nutzung der eingerichteten Server-Systeme als Medium für weitere Ausbildungsin­halte und die Betonung von Personal- und Sozialkompetenzen. Entwicklungspotentiale beste­hen insbe­sondere bei der Lehrer-Schüler-Kommunikation und der Betreuung der Schüler während des Außentermins. Dies betrifft technische Fragen nach dem konkreten Kommunika­tionsmedium (hier die Auswahl des Chat-Servers), organisatorische Fragen (hier die Betreu­ung während des Außentermins durch zwei Lehrkräfte) sowie pädagogische Fragen (hier bei­spiels­weise, die Schüler mehr in den Support bei Schwierigkeiten einzubinden). Diese Nach­teile können durch Ausschöpfung der Entwicklungspotentiale bei einer Wiederholung der Lern­situation minimiert werden. Die Vorteile des außerschulischen Lernortes überwiegen.

Eng verbunden mit den Möglichkeiten des neuen Lernortes ist die zweite Leitfrage nach der Motivation der Schüler. Sowohl durch eigene Beobachtungen als auch durch die Aussagen der Schüler im Evaluationsbogen wurde deutlich, dass die Schüler während der gesamten Lern­situation sehr motiviert arbeiteten. Zum einen war die Einrichtung eines öffentlich über das Internet erreichbaren Server-Systems für die Schüler ein attraktives Arbeitsprodukt, zum an­deren war der neue Lernort und die damit verbundene hohe Eigenverantwortung für die meis­ten Schüler eine motivierende Herausforderung. Der außerschulische Lernort hatte auch in der Informations- und Planungsphase eine hohe motivatorische Wirkung, da allen Schüler klar war, dass sie ihre Vorbereitungen abgeschlossen haben mussten. Motivations­hemmend waren die für einige Schüler nicht ausreichende Betreuungssituation und allgemein die veränderte Situation durch die kurzfristig angesetzte Klausur.

Auch die dritte Leitfrage lässt sich positiv beantworten. Der vorhandene Kompetenzstand der Schüler konnte durch die hohen Freiheitsgrade während der Lernsituation individuell gefördert werden. Anhand der festgelegten Indikatoren (Arbeitsprozesse und -produkte) konnte indivi­duell eine große Kompetenzentwicklung beobachtet werden. Verglichen mit den vorherigen Benotungen wurden in dieser Lernsituation überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielt. Dies betrifft sowohl die praktische Arbeit mit den Server-Systemen und die Arbeit bei der Erstellung und Bearbeitung der Schulungsunterlagen als auch die Bewertung der durchgeführten Arbei­ten und die Ergebnisse des Tests. Ein hohes Maß an Sozialkompetenz in Form gegenseitiger Unterstützung konnte während der gesamten Lernsituation beobachtet werden. Auch die Rückmeldungen der Schü­ler im Evaluationsbogen belegen eine vergleichsweise hohe Kompe­tenzentwicklung.

Aufgrund der Vorteile des Außentermins, der hohen Motivation der Schüler und des hohen Grades der Kompetenzentwicklung wird die Lernsituation „Server zur Mitarbeiterschulung ein­richten“ im nächsten Schuljahr wieder eingesetzt. Die Entwicklungspotentiale im Bereich der Betreuungssituation sollen genutzt und die Lernsituation weiter optimiert werden.

Über Jan Quast

Ich bin Berufsschullehrer mit dem Schwer­punkt Netzwerk­technik am OSZ IMT in Berlin. Auch zu finden auf Xing

23. Januar 2013   |   E-Learning, Methodik & Didaktik, Netzwerktechnik   |   Kommentare deaktiviert für Server-Systeme im Unterricht