Lernfeldkonzept

Ausbildungs- und Unterrichtsmethoden

Die lange Zeit vorherrschende Methode der betrieblichen Ausbildung ist die Vier-Stufen-Methode (auch als Imitationsmethode bezeichnet), meistens angewandt in einer Lehrwerkstatt (vgl. Freytag, 2002). Rauner (2004:14f) kritisierte diese „verrichtungsorientierte“ Methode und das Lernen in „quasi-geschützten“ Räumen, wodurch dem Lernen im Arbeitsprozess die Grundlage entzogen worden war. Die Umsetzung einer handlungsorientierten Berufsausbildung setzt voraus, dass die Ausbildung „von den Potenzialen betrieblicher Innovationen und Organisationsentwicklungsprozesse profitiert und nicht in der Sterilität und Abgeschiedenheit kontextfreier betrieblicher Schonräume verkümmert“ (ebd). Auf der Methodenebene setzen sich daher inzwischen auch mehr handlungs- und arbeitsprozessorientierte Methoden durch, die den neuen Kompetenzanforderungen gerecht werden. Wobei in den Lehrgängen bzw. den Lernmaterialien zur Ausbilder-Eignung die eingangs genannte Vier-Stufen-Methode immer noch einen großen Raum einnimmt, wie ich bei einem Lehrgang der IHK erfahren konnte.

In der methodischen Gestaltung von Unterricht in der Berufsschule zeichnet sich ebenfalls ein Wandel ab. Seibert sieht diesen Wandel „weg von frontal organisierten, lehrerzentrierten und lehrgangssystematischen hin zu subjektorientierten, offen strukturierten Unterrichtsformen.“ (2000:18). Die neue Diskussion um Unterrichtsmethoden betont offene, schüleraktive, freie, lebensnahe und handlungsorientierte Elemente. „Es sollen durch geeignete methodische Zugänge solche Erfahrungsmöglichkeiten bereitgestellt werden, die bei den Schülern und Schülerinnen einen aktiven Auseinandersetzungsprozess mit dem Lerngegen-stand provozieren, strukturieren und in Gang halten“ (Gudjons, 2006:28). Zu der Diskussion um die Bedeutung der „alten“ Unterrichtsmethoden seien hier Reinmann-Rothmeier und Mandl angeführt, die betonen, dass handlungsorientierter Unterricht „nur dann gelingt, wenn eine ausreichende Wissensbasis zur Verfügung steht. Zu deren Erwerb kann jedoch auf instruktionale Anleitung und Unterstützung nicht verzichtet werden.“ (2001:626). Das heißt, dass der „alte“ Frontalunterricht weiterhin seine, wenn auch eingeschränkte Berechtigung behält.

Im Folgenden werden einige der „neuen“ Methoden, die sowohl in der schulischen als auch in der betrieblichen Ausbildung ihre Relevanz haben, kurz vorgestellt:

Projektmethode

Bei der Projektarbeit steht die Herstellung eines sinnvollen Produktes, Objektes, Modells bzw. die Lösung eines Problems durch eine Gruppe im Vordergrund.

Kundenauftrag

Ziel ist es, Auszubildende frühzeitig mit selbstständigen und eigenverantwortlichen Arbeiten zu betrauen. Dadurch besteht für sie die Möglichkeit, rascher in die betrieblichen Aufgabenstrukturen hineinzuwachsen und durch die größere Selbstständigkeit eine höhere Berufsmotivation zu entwickeln.

Lerninseln

„Lerninseln sind mit Lernausstattungen angereicherte Arbeitsplätze in der Produktion oder im Dienstleistungsbereich. Auszubildende führen reale Auftragsarbeiten aus. Sie arbeiten in Gruppen, in denen in Anlehnung an das Konzept teilautonomer Gruppenarbeit möglichst ganzheitliche Aufgaben mit planenden, durchführenden und kontrollierenden Anteilen durchgeführt werden“ (Dehnbostel, Dybowski, 2000:150).

Fallbeispiele

Das Fallbeispiel stellt eine Methode dar, um über das Ausprobieren und Diskutieren Erfahrungen und Erkenntnisse zu erlangen. Das Fallbeispiel zielt auf die Selbsttätigkeit der Lernenden, beispielsweise auch auf das Erkennen eigener Wissenlücken und Lernbedarfe.

Leittexte

Die Leittextmethode ist eine vorwiegend berufliche Ausbildungsmethode, bei der so genannte Leitfragen vom Ausbilder entwickelt werden und den Lernenden als Orientierungshilfe beim Finden von selbstständigen Lösungen eines komplexen Problems dienen sollen.

Planspiele, Simulation

In Planspielen sollen Teilnehmer durch Simulation einer Praxissituation einen möglichst realistischen und praxisbezogenen Einblick in gezielte Probleme und Zusammenhänge gewinnen, eigene Entscheidungen treffen und Konsequenzen ihres Handelns erfahren. Plan- und Simulationsspiele werden darüber hinaus auch als Methode für das Teamtraining empfohlen (Kriz, Nöbauer 2006).

Juniorfirma

Die Juniorfirma ist eine auf Dauer angelegte und nachhaltige Methode, durch die die Auszubildenden lernen, selbstständig und eigenverantwortlich unter den strukturellen Bedingungen eines realen Unternehmens zu arbeiten. Im Gegensatz zu einem fiktiven Planspiel werden im Rahmen der Anwendung dieser Methode im Idealfall marktfähige Produkte und Dienstleistungen hergestellt bzw. angeboten.

Stationenlernen

Beim Stationenlernen werden komplexe Lernaufgaben in einzelne, oft aufeinander aufbauende Schritte aufgeteilt. Diese werden von den Schülern selbständig bearbeitet, beurteilt und bewertet. Der Zeitaufwand pro Station und die Reihenfolge der Bearbeitung kann von den Schülern selbst festgelegt werden.

In zahlreichen Modellversuchen und Veröffentlichungen wurde gezeigt, wie die handlungsorientierte und arbeitsprozessbezogene Ausbildung in einer modernen Berufsbildungspraxis zu realisieren ist (Dehnbostel, Peters, 1991; Bremer, Jagla, 2000; Bänsch u.a., 2001; Rauner, Spöttl, 2002; Loroff, Manski, Mattauch, Schmidt 2006).

In der folgenden Übersicht wird jedoch der teilweise sehr geringe quantitative Einsatz neuerer Ausbildungsmethoden in der Praxis der Ausbildungsbetriebe dargestellt (vgl. Pütz, 2003:20):

Lernfeldkonzept

Über Jan Quast

Ich bin Berufsschullehrer mit dem Schwer­punkt Netzwerk­technik am OSZ IMT in Berlin. Auch zu finden auf Xing

01. Oktober 2009 von Jan Quast
Kategorien: Methodik & Didaktik | Schreibe einen Kommentar

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